Kosten und CO2-Bilanz im Vergleich

Ökologisch neu bauen oder das alte Haus energetisch sanieren: Was ist besser für das Klima? Und: Was ist bezahlbar? Thomas Billmann, Modernisierungsexperte von Schwäbisch Hall, stellt Neu- und Altbau gegenüber.

Ökologisch neu bauen oder das alte Haus energetisch sanieren: Was ist besser für das Klima? Und: Was ist bezahlbar? Thomas Billmann, Modernisierungsexperte von Schwäbisch Hall, stellt Neu- und Altbau gegenüber.

Altbau: Wer saniert, hat länger etwas vom Haus

Für das Klima lohnt sich die Sanierung: Die Bausubstanz bleibt erhalten und die Lebensdauer wird verlängert – ohne die Versiegelung grüner Flächen. Das entspricht dem Nachhaltigkeitsgedanken. „Eine Sanierung ist Recycling, sie entlastet das Klima in jedem Falle. Denn: Der Endenergieverbrauch lässt sich dadurch um bis zu 80 Prozent reduzieren,“ erklärt Billmann. Wie viel Energie und CO2 sich genau durch eine Sanierung einsparen lassen, hängt vom Zustand des Gebäudes ab. Ein Beispiel: Das Wohnen in einem energetisch voll sanierten Einfamilienhaus (125 qm, 4 Personen, Baujahr zwischen 1949-2001, inkl. Solarthermie) führt zum Ausstoß von 0,40 Tonnen CO2 pro Jahr (CO2-Rechner, Umweltbundesamt).

Neubau: Auf hohe Energiestandards setzen

Der Neubau punktet demgegenüber in Sachen Verbrauch und Energiestandard. Denn hier wird Energieeffizienz bereits im Grundriss, bei der Dämmung oder bei der Ausrichtung der Fenster mitgedacht. Von Anfang an richtig planen ist einfacher, als Vorhandenes baulich umzugestalten.

Die CO2-Bilanz des Neubaus (4 Personen, 125 qm, Baujahr nach 2012, inkl. Solarthermie) beträgt nur 0,38 Tonnen CO2 pro Jahr. Allerdings kommt beim Neubau ein hohes Maß an so genannter grauer Energie durch die Herstellung von Baustoffen und den Hausbau selbst hinzu: „Nicht allein der Energiebedarf des fertigen Gebäudes entscheidet über die Klimaeffizienz. Auch Material und Standort sind zu berücksichtigen,“ gibt der Experte zu bedenken.

Die Klimabilanz: Sanieren meist nachhaltiger

Sanierte Bestandsimmobilien sind deshalb in vielen Fällen ressourcenschonender als Neubauten. Umso wichtiger ist der Fokus auf den Bestand. 80 Prozent der Bestandsgebäude wurden vor der Einführung der dritten Wärmeschutzverordnung (1995) errichtet. Rund zwei Drittel davon sind sanierungsbedürftig. Fördermöglichkeiten sollen die Sanierung attraktiv und bezahlbar machen. Aber nicht nur das: „Die energetische Sanierung senkt sofort die laufenden Kosten und erhöht umgehend die Wohnqualität – beispielsweise, wenn alte Fenster gegen neue ausgetauscht werden. Langfristig steigt der zusätzliche Wert der Immobilie,“ erklärt der Experte. „Und wenn es doch der Neubau wird, empfehlen sich ökologische Baustoffe, kleine Bauflächen und energieeffiziente Anlagen.“

Die Kostenbilanz: Der individuelle Fall entscheidet

Bleibt die Frage: Was ist kostengünstiger? Betrachtet man beispielhaft die Kosten, die für die Komplettsanierung eines Altbaus und für den nachhaltigen Neubau (z. B. in Hessen, je 140 qm) anfallen, zeigen sich deutliche Unterschiede. Wer ein Haus nachhaltig neu bauen möchte, zahlt rund 20 Prozent mehr für die Baumaterialien. Setzt man nach Angaben des Statistischen Bundesamtes durchschnittliche Kosten von rund 245.000 Euro für einen konventionellen Neubau an, liegen die Kosten für einen ökologischen Neubau also um 49.000 Euro höher. Aber: „Für den Bau von einem Effizienzhaus 40 erhalten Eigenbauer 24.000 Euro an Förderung,“ ergänzt Billmann. Die Mehrkosten für die energieeffiziente Bauweise betragen demnach nur noch rund 25.000 Euro.

Für die Komplettsanierung einer Bestandsimmobilie zum Effizienzhaus 85 werden im Schnitt 115.000 Euro veranschlagt (bmu.de, Finanztest). Staatlich gefördert werden Investitionen in Höhe von 36.000 Euro (BEG 430). Auf den Kaufpreis der Bestandsimmobilie sind demnach rund 79.000 Euro hinzuzurechnen.

Im genannten Beispiel ist die Sanierung damit teurer als der ökologische Neubau. „Letztlich sind Aufwand und Kosten für eine Sanierung sehr individuell und vom jeweiligen Gebäude abhängig. Nicht immer müssen Eigentümer alles auf einmal erneuern, abhängig von der Substanz lassen sich ältere Gebäude auch Schritt für Schritt sanieren und werden mit jeder Maßnahme ein Stück klimafreundlicher“, so Billmann.

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